HR Today | 04/2007 | Text: James Butler

Unterschiedliche Kulturen: Minenfelder für Manager

Für Führungskräfte ist es unabdingbar, ihre Kenntnisse in multikulturellen Umgebungen einzubringen.
Traditionelle Managemententwicklungskurse und Business Schools lehren interkulturelles Verständnis jedoch eher spärlich. Spezialisierte Coachingprogramme entpuppen sich daher als neue Nische.

Unterschiedliche Kulturen: Minenfelder für Manager

Die Globalisierung führt zu einer Geschäftsumgebung, in der geografische Grenzen unwichtig erscheinen. Globale Wirtschaftszentren wie Zürich, Frankfurt oder London sind Gastgeber für Unternehmen aus vielen Kulturkreisen – Amerikaner, Briten, Deutsche, Skandinavier und zunehmend Chinesen oder Inder. In Managementteams sind eine Vielzahl von Nationalitäten vertreten. Und bevor man noch daran denkt, wird sogar der Unterschied innerhalb von Nationen sichtbar, wie beispielsweise in der Schweiz mit den Deutsch-Schweizern, West-Schweizern und den Tessinern.

«Geschäftskulturen unterscheiden sich enorm innerhalb Europas», stellt Executive Coach Katalin Juhos von Borealis-Partners.com fest, «mit Arbeitserfahrungen in Skandinavien, Deutschland und meiner Heimat Ungarn erlebte ich das aus erster Hand. In vielerlei Hinsicht gibt es so etwas wie eine Evolution von Managementstilen quer durch verschiedenste Länder. Das heisst, Menschen in Skandinavien tendieren dazu, andere Prioritäten zu haben als jene in Zentraleuropa oder in den früheren Ostblockstaaten wie Ungarn. Wenn eine Schweizer, deutsche oder amerikanische Führungskraft in Ungarn die Geschäftsführung übernimmt, werden genau diese Unterschiede zu einer Quelle für Stress, Reibung oder Kommunikationsprobleme.»

Der Unterschied besteht jedoch nicht nur zwischen Ländern. André Vögtlin, Personalberater und Unternehmenscoach des Schweizer Beratungsunternehmens MAS, sieht auch die bekannten Abweichungen innerhalb der Schweiz: «Sicherlich gibt es zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz Unterschiede, aber diese bestehen bereits zwischen Basel und Zürich. Unterschiedliche Orte haben verschiedene Historien, und diese beeinflussen die Empfindungen und das Verhalten der Personen oder Organisationen mit diesem Hintergrund.»

Wie kann nun ein Executive Coach seinen Klienten in diesem Minenfeld an Kulturen helfen? Alexander M. Schmid vom österreichischen Coachingunternehmen Breaking Barriers erklärt: «Unsere Rolle ist es, Bewusstsein für diese Themen zu schaffen, indem wir Führungskräfte motivieren, umfassender darüber nachzudenken, woher die Verhaltensweisen, Handlungen und Probleme kommen. Erst das Durchbrechen der Oberfläche mittels Coaching bringt Führungskräfte dazu, ihre Anschauungen zu hinterfragen, die kulturellen Unterschiede und vor allem den Umgang damit ans Tageslicht zu holen.

Katalin Juhos stimmt zu: «Unsere Rolle ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Führungskräfte wohl fühlen, ihre eigenen Denkweisen hinterfragen und eruieren, was ihre persönlichen Reaktionen bestimmt.» Der Coach hilft ihnen, die Motivation und die kulturelle Programmierung in anderen zu verstehen. Auf mehr Verständnis, Offenheit und grössere Toleranz folgen Lösungen für interkulturelle Probleme.

Was unterscheidet interkulturelles Coaching von herkömmlichem Coaching? Nur das Thema, ist die Antwort. Das Training hilft Menschen zu erkennen, dass der Coachingprozess wesentlich wichtiger ist als tieferes Wissen über das Thema, das den Klienten beschäftigt. Ein gut ausgebildeter Coach ist für die Entwicklung der Fähigkeiten einer Führungskraft in einer solchen Situation von grossem Nutzen – die Führungskraft muss es selbst lernen und nicht erklärt bekommen.

Worauf sollte man bei der Suche nach einem Executive Coach für interkulturelle Angelegenheiten achten? Der international anerkannte Standard für kompetente Coaches ist die International Coach Federation (www.coachfederation.ch). Die Suche nach jemandem mit ICF-Akkreditierung oder einer Person, die bei einem ICF-akkreditierten Institut geschult wurde, ist daher ein guter Anfang. Ein interkultureller Hintergrund hilft, Glaubwürdigkeit aufzubauen. Juhos ist überzeugt, dass ihre Unternehmensführungserfahrung in ganz Europa ermöglicht, eine rasche Übereinstimmung mit den Klienten zu erzielen – sie spricht deren Sprache und versteht ihre Historie. Sie kann nicht nur in mehreren Sprachen coachen, sondern versteht auch Vokabular und Bräuche des internationalen Geschäfts.

Für Schmid war die Ausbildung in England bei einem multinationalen Unternehmen wie der US-Firma Coachinc.com sehr hilfreich. «Das Training mit Menschen aus vielen verschiedenen Nationen half, unseren Horizont zu erweitern, und eröffnete uns, wie Menschen verschiedenster Kulturen auf Coaching reagieren.» Als Vögtlin seine Ausbildung machte, teilte er den Kurs mit Teilnehmern aus den USA, England, Australien und Zentraleuropa. «Es eröffnete mir wirklich eine neue Welt – ich konnte die verschiedenen kulturellen Ansätze beim Coaching erkennen und lernte diese bei Klienten sofort anzuwenden.»

Für Führungskräfte in der Schweiz ist der potenzielle Kulturkonflikt in multinationalen Unternehmen mit Mitarbeitenden aus der ganzen Welt tägliche Realität. Einblicke durch lokal ansässige Wissensträger erweitern unser interkulturelles Verständnis. Der wirksamste Ansatz für Führungskräfte ist jedoch das Erkennen der eigenen kulturellen Programmierung sowie die Entwicklung der Fähigkeit, die kulturelle Programmierung anderer zu verstehen und darauf entsprechend reagieren zu können. Ein akkreditierter Coach mit multikultureller Ausbildung ist dann der Katalysator, der die Fähigkeiten einer Führungskraft und somit den Unternehmenserfolg auf eine andere Ebene heben wird.

 
 
 

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