HR Today | 04/2007 | Text: Barbara Greutter
Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern schaffen im Idealfall Win-Win-Situationen, bei denen Unternehmen vom Innovationspotenzial, vom Einsatz und vom Leistungsbeitrag der Mitarbeiter profitieren und Mitarbeitende ihrerseits durch Arbeitsplatzsicherheit, attraktive Vergütung, Entwicklungspespektiven und ein motivierendes Umfeld belohnt werden. Die Herausforderungen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen sind jedoch von Land zu Land aufgrund geschichtlicher und kultureller Prägungen unterschiedlich, und das bestimmt massgeblich die Erfolgsfaktoren der Personalarbeit.
Während in den USA Leistungsorientierung und individuelles Streben nach Erfolg klar anerkannte Werte sind, ist Österreich stolz auf die Errungenschaften der Sozialpartnerschaft, die zu einer breiten Mittelschicht geführt haben. In der Schweiz hat Individualismus einen hohen Stellenwert, gleichzeitig werden soziale Verantwortung und ethische Verpflichtungen ernst genommen. Integrität und Loyalität prägen hierzulande das Verhältnis von Arbeitgebern zu Arbeitnehmern.
In Österreich herrscht, wie in so vielen anderen Bereichen auch, mehr Ambivalenz. Zwar sind die Fronten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht so polarisiert wie in Deutschland, wo der Arbeitnehmerschutz ein fast nicht steuerbares Ausmass angenommen hat, doch begegnet man sich mit Vorsicht. Betriebsräte haben die Funktion, Übergriffe des Arbeitgebers zu verhindern und die Arbeitnehmerinteressen sicherzustellen. Obschon sich durch Betriebsratsverhandlungen gewisse Prozesse verzögern können, sind Betriebsräte oft auch ein willkommener Verhandlungspartner, mit denen kollektiv Einigungen erzielt werden können, die sich nur schwer durchsetzen liessen, müsste der Arbeitgeber mit jedem einzelnen Mitarbeiter ins Gespräch gehen. Österreichische Arbeitnehmervertreter haben allerdings bei Weitem nicht die Macht von deutschen Betriebsräten, und Arbeitskampf entspricht nicht der österreichischen Mentalität. Das Verhältnis zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern ist in Österreich meist partnerschaftlich – jeder respektiert die Anliegen des anderen, man gewährt sich gegenseitig kleine Erfolge und arbeitet gemeinsam im Sinne des Unternehmens.
Im Gegensatz dazu ist es in den vom individuellen Erfolgsstreben geprägten USA undenkbar, dass Mitarbeiter sich kollektiv durch einen Betriebsrat vertreten lassen. Wenn sich in einem Unternehmen «Unions» bilden, wird dies als bedenkliches Warnsignal gesehen. In einem Arbeitsmarkt, der von starker Mobilität geprägt ist, bemühen sich die Unternehmen um ein positives Arbeitgeberimage, oft auch, um aktiv einer Bildung von Unions entgegenzuwirken. Politische Korrektheit und Chancengleichheit für unterschiedliche Arbeitnehmergruppen sind ebenso wichtig wie differenzierte HR- Massnahmen, die den Bedürfnissen und Interessen jedes Einzelnen gerecht werden. Leistungsorientierung ist in der amerikanischen Kultur verankert und daher akzeptierter Parameter der Personalarbeit.
In unserer globalisierten Wirtschaft verschwimmen die kulturellen Unterschiede, unter anderem auch, weil die modernen Instrumente im Personalbereich vielfach aus den USA stammen. Umso wichtiger ist es gelegentlich, hinter die Kulissen zu blicken, denn Personalarbeit ist nur dann nachhaltig erfolgreich, wenn sie gut in der jeweiligen Kultur verankert ist.