HR Today | 06/2006 | Text: Robert Lang
Für die Gesundheit und Unversehrtheit ihrer Mitarbeitenden engagiert sich die Pasta Premium AG vorbildlich: In Zusammenarbeit mit einer Sicherheitsingenieurin wurde nach einer gründlichen Gefahrenermittlung und Risikobeurteilung eine massgeschneiderte Lösung für den Teigwarenhersteller entwickelt, die auf breite Akzeptanz stösst.
120 Sorten Teigwaren bester Qualität, fünf moderne Fertigungslinien und über 50 Produktionsmitarbeitende, die im Drei-Schicht-Betrieb flexibel neue Aufgaben übernehmen: Die Anforderungen an ein Sicherheitskonzept sind hoch bei der Pasta Premium AG. «Einfach zu sagen ‹Passet uf!› – damit ist es nicht getan», erklärt Markus Kick, Geschäftsführer des Frauenfelder Unternehmens. Er setzt auf Sicherheit mit System, um Unfälle und Erkrankungen zu vermeiden. Zum einen, weil ihm die Gesundheit und Unversehrtheit der Mitarbeitenden am Herzen liegt. Zum andern profitiert die Firma, die Kick zusammen mit einem Partner 2004 von Hero durch ein Management-Buy-out übernahm, so von niedrigeren Versicherungsprämien. «Und wir ersparen uns indirekte Unfallkosten für Ausfallstunden, Haftpflichtansprüche oder gar strafrechtliche Konsequenzen», stellt der Unternehmer fest.
Seit 1996 sind Firmen mit fünf und mehr Beschäftigten oder solche mit einem Netto-Prämiensatz von mehr als 0,5 Prozent in der Berufsunfallversicherung gesetzlich verpflichtet, ein Sicherheitssystem mit einer zweckmässigen Dokumentation aufzubauen und wenn nötig Spezialisten der Arbeitssicherheit beizuziehen. Die Umsetzung der ASA-Bestimmungen (siehe «Was ist ASA?») wird von den Aufsichtsorganen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes seit dem 1. Januar 2000 kontrolliert. Die Pasta Premium AG erfüllte bereits die Standards des British Retail Consortium (BRC) mit strengsten Hygiene- und Prozesssicherheitsvorschriften und ist BRC-zertifiziert. Darüber hinaus wurden mit einer Sicherheitsingenieurin Gefahren und Risiken im Betrieb systematisch ermittelt, um ein individuell angepasstes Sicherheitskonzept zu entwickeln. «Mir war es wichtig, alle Prozesse von jemandem mit ausgewiesener Fachkompetenz überprüfen zu lassen, der nicht betriebsblind ist», begründet Markus Kick diesen Schritt.
Bei welchen Maschinen besteht Verletzungsgefahr? Weiss jeder, wie er sich bei einem Brand zu verhalten hat? Was kann man tun, damit die Packerin keine Rückenschmerzen bekommt? Die Fragen bei der Gefahrenermittlung waren so vielseitig wie die getroffenen Massnahmen komplex: Abdeckungen, Schutzbleche, Geländer wurden montiert, Sicherheitsdatenblätter verfasst und ein Notfallkonzept erarbeitet. Hinzu kamen Kurse und praktische Übungen. Klar, dass da einiges an Zeit investiert wurde. Aber: «Mir ist es lieber, die Produktion läuft ein paar Stunden nicht, weil wir eine Schulung durchführen als wegen eines Unfalls!» Tatsächlich hat Markus Kick die Produktionsanlagen schon öfters stillstehen lassen. Während dieser Zeit haben die Mitarbeitenden beispielsweise den richtigen Umgang mit Feuerlöschern erlernt, sich bei Evakuierungsübungen mit den Fluchtwegen vertraut gemacht oder ihre Staplerfahrkünste perfektioniert. Im Betriebsalltag widersprechen sich Sicherheitsdenken und Produktivität nicht. Räumliche Umstrukturierungen, einheitlichere Arbeitsabläufe und das gewachsene Know-how der Mitarbeitenden führen sogar zu mehr Effizienz.
Arbeitssicherheit ist bei der Pasta Premium AG ein dauernder Prozess. «Wenn man irgendwann denkt, jetzt sind wir fertig, dann hat man etwas falsch verstanden», sagt Markus Kick. Für ihn ist es selbstverständlich, mit offenen Augen durch den Betrieb zu gehen. Und dabei sieht er bereits an einfachen Dingen, dass die Mitarbeitenden das Konzept verinnerlicht haben, etwa daran, dass jetzt fast durchwegs Sicherheitsschuhe getragen werden. Bei Befragungen, Audits und Übungen wird immer wieder überprüft, wo es etwas zu verbessern gibt. «Als Teigwarenhersteller runden wir diese Anlässe natürlich gern mit einem zünftigen Spaghettiplausch ab. So tun wir auch etwas für eine gute Stimmung im Betrieb, weil die Beschäftigten spüren, dass wir uns für sie und ihre Anliegen interessieren.» Seine Überzeugung bringt der engagierte Geschäftsführer auf den Punkt: «Für mich ist eine wertschätzende Unternehmenskultur ohne eine gelebte Sicherheitskultur schlichtweg undenkbar.»