HR Today | 04/2005 | Text: Philipp Hatt
In der Strombranche herrscht Umbruchstimmung. Dies hat Auswirkungen auf den HR-Bereich, denn die Mitarbeitenden reagieren äusserst unterschiedlich auf das Spannungsfeld. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich hat dieses als Chance genutzt, um die Personalabteilung zu professionalisieren.
Trotz Ablehnung des Elektrizitätsmarktgesetzes im September 2002 ist der Strommarkt der Schweiz im Umbruch. Man geht davon aus, dass ähnlich wie bei der Telekombranche die Kunden eines Tages wählen können, bei wem sie den Strom einkaufen. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) ist ein öffentliches Unternehmen und als Dienstabteilung der Stadt Zürich ins politische System eingebunden. Dies erzeugt ein Spannungsfeld: ewz hat sich an die gleichen Regeln zu halten wie eine andere städtische Dienstabteilung und muss sich gleichzeitig den ändernden Anforderungen des Strommarktes stellen. Dieses Spannungsfeld hat Auswirkungen auf die tägliche Arbeit der Mitarbeitenden: Die einen sind blockiert, unsicher und machen Dienst nach Vorschrift, die anderen fühlen sich durch die Situation herausgefordert und angespornt.
Bis vor wenigen Jahren wäre die Personalabteilung von ewz diesen Strukturveränderungen nicht gewachsen gewesen, da sie nur eine administrative Funktion innehatte und die aktive Mitarbeit bei der Unternehmensentwicklung komplett fehlte. Zudem waren die Personalprozesse nicht klar strukturiert und dokumentiert. Die Linie wurde von der Personalabteilung wegen mangelndem Know-how und fehlenden Ressourcen weder aktiv unterstützt noch ausreichend beraten. Die Mitarbeiterförderung war damals noch kein fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Organisatorisch war das Personalwesen beim Finanzbereich angesiedelt.
Als erster Schritt in Richtung Professionalisierung wurde zusammen mit der Geschäftsleitung eine neue Personalpolitik erarbeitet, die wiederum den Leistungsauftrag an die Personalabteilung stellt. Zudem wurde das Personalwesen direkt dem neuen Direktor von ewz unterstellt.
Ein leistungsfähiges Personalmanagement zeichnet sich dadurch aus, dass die HR-Geschäfte effizient abgewickelt werden. Um dies optimal umzusetzen und Transparenz zu schaffen, kann heute der gesamte Personalprozess mit den dazugehörenden Reglementen und Richtlinien auf dem Intranet abgerufen und bearbeitet werden.
Die Beratung und Unterstützung der Führungskräfte und Mitarbeitenden durch die Personalverantwortlichen wurde bei ewz von einer auf drei Positionen ausgebaut. Dadurch wurde ein kompetentes Team geschaffen und das Vertrauen zu den Mitarbeitenden und den Vorgesetzten gestärkt. Die HR-Arbeit gewinnt so an Stellenwert im Unternehmen, und wichtige HR-Themen werden stärker berücksichtigt. Wichtigste Voraussetzung für einen höheren Stellenwert ist, dass die Personalverantwortlichen als integre, ebenbürtige und kompetente Ansprechpartner wahrgenommen werden.
Wer es sich von früher her gewohnt war, an einer Lebensstelle zu arbeiten, der muss heute damit rechnen, dass er in einen anderen Bereich versetzt wird, andere Führungsaufgaben übernehmen soll oder sich neu orientieren muss. Eine aktive Personal(entwicklungs)arbeit, sei diese individuell oder für mehrere gleiche Funktionen, unterstützt heute diesen Veränderungsprozess bei ewz. Eine Schlüsselrolle in der Mitarbeiterförderung nehmen immer die direkten Vorgesetzten ein. Um die Führungskräfte bei dieser anspruchsvollen Aufgabe zu unterstützen, wurde bei ewz eine gemeinsame Führungssprache (Führungsgrundsätze) im Kader erarbeitet. Die Vorgesetzten sind für ihre Führungstätigkeit in internen Workshops geschult worden und werden auch zukünftig sporadisch in diesem Bereich weitergebildet. Gleichzeitig wurden auch Austauschzirkel für die Führungskräfte gebildet, die sehr geschätzt werden. Zudem finden bei ewz regelmässig MbO-Gespräche sowie Mitarbeiterbefragungen statt. Diese Instrumente liefern weitere Inputs, um den mitarbeiterorientierten Entwicklungsprozess erfolgreich anzugehen. Ausserdem wurde ein Entwicklungsteam gebildet, das sich aus Mitarbeitenden aus verschiedenen Geschäftsbereichen und Hierarchiestufen zusammensetzt. Ebenso wurde neu die Stelle eines Personalentwicklers geschaffen. Dieser leitet das Entwicklungsteam, das neue Ideen einbringt, diese konkretisiert und umsetzt sowie die getroffenen Massnahmen auf deren Erfolg mit Hilfe eines professionellen Controllings überprüft.