HR Today | 1,2/2005 | Text: Marianne Rupp

Traditionelle Organisationen – Netzwerken auf höherem Niveau

Sozial tätige Organisationen wie Rotary, Lions oder Kiwanis vereinen gleichgesinnte Menschen aus beruflich höheren Positionen. Bei den meist regelmässigen Zusammenkünften werden Bekanntschaften geschlossen und Ideen ausgetauscht: eine Plattform zum Netzwerken. Eine Rotarierin gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Soziales Engagement und humanitäre Hilfe, ganz allgemein einem guten Zweck zu dienen, vereint Menschen auf der ganzen Welt in so genannten Service-Clubs. Der älteste dieser
Service-Clubs ist Rotary International. In der Schweiz existieren 205 Rotary Clubs, von denen jeder seine eigenen sozialen Projekte auf die Beine stellt, etwa die Unterstützung von Kinderheimen in Moldawien oder regional ein Alpendörfchen von den Schäden des Winters zu befreien. Es ist jedoch nicht nur die soziale Ader, welche die Mitglieder in den Clubs ausleben können. «Rotary ist auch ein Netzwerk, das einem erlaubt, Menschen kennen zu lernen, die man sonst nicht treffen würde», sagt Christina Künzle, Gründungsmitglied des Rotary Club Zürich Turicum, der seit 1998 existiert und etwa 50 Mitglieder hat. Die berufliche Vielfalt der Menschen, die in einem Club vereint sind, steht in direktem Zusammenhang zu den Aufnahmekriterien: Es wird nur ein Vertreter jeder Berufsgruppe aufgenommen – und von denen  auch nur bestandene Kaderleute mit erstklassigen Leistungsausweisen. «Jedes Mitglied bekommt eine Klassifikation: Ich beispielsweise vertrete Executive Coaching und Outplacement. Es wird also niemand aufgenommen mit der gleichen Bezeichnung: Es soll keine Konkurrenz geben unter den Club-Mitgliedern», erklärt Künzle. Damit die Einschränkung nicht zu stark ist, werden die Berufsbilder unterteilt: Ein Banker kann beispielsweise die Klassifikation Corporate Banking oder Private Banking erhalten.

Der Austausch, manchmal sogar die Freundschaft unter den Mitgliedern wird unter anderem durch die obligatorische Präsenzzeit gefördert. Mindestens zwei Drittel der Veranstaltungen müssen besucht werden, was durch persönlich unterschriebene Präsenzlisten kontrolliert wird. «Als Mitglied kann ich die Veranstaltungen irgendeines Clubs weltweit besuchen», sagt Künzle. «Das hat den Vorteil, dass ich mich in allen Ländern, in denen es Rotarier gibt, in ein Netzwerk einfügen kann.» Eine solche Vernetzung gibt nicht nur die Möglichkeit, spannende Leute zu treffen, sondern ist durchaus ein Mittel, um beruflich wertvolle Kontakte aufzubauen. «Natürlich können aus den rotarischen Verbindungen auch Engagements entstehen», bestätigt Künzle. Zwar sei es verpönt, aktiv im Club zu akquirieren, aber man empfehle sich unter einander. «Im Klartext heisst das, wer beispielsweise einen Anwalt braucht, wird sich an den wenden oder den weiterempfehlen, den er aus dem Club kennt. Zudem besitzt jeder Rotarier und jede Rotarierin ein Verzeichnis, in dem alle Mitglieder mit privater Adresse und beruflicher Bezeichnung aufgeführt sind. Wenn ich eine bestimmte Person mit bestimmter Funktion suche, kann dieses Verzeichnis durchaus hilfreich sein. Allerdings darf es nicht missbraucht werden», sagt Künzle.

«In meinem Beruf als Beraterin sind Grösse und Qualität des Netzwerks ein Erfolgsfaktor. Ich muss Leute kennen, die ich bei Bedarf kontaktieren kann», sagt Christina Künzle. Sie ist daher Mitglied bei einer ganzen Reihe von Vereinen und Organisationen: unter anderem bei der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management (ZGP), beim Verband der Personal- und Ausbildungsfachleute (VPA), bei diversen Alumni Vereinigungen, bei Handelskammern, bei der International Coaching Federation (ICF). Zudem ist sie Vorstands- und Arbeitsgruppen-Mitglied im Swiss Code of Ethics, Mitglied der International Society for the Psychoanalytic Study of Organizations (ISPSO) und der International Clinical Coaching Organization (ICCO). «ISPSO und ICCO sind angesehene Berufsverbände mit hohem Renommee und dienen der Weiterbildung, andere dienen eher dem gesellschaftlichen Austausch. Leider kann ich nicht bei allen Netzwerken gleich aktiv mitmachen. Aktiv bin ich im Rotary, im ICCO und dem Swiss Code of Ethics. Bei den anderen besuche ich Veranstaltungen und Tagungen. Diese geben gute Impulse und ermöglichen, spannende Leute zu treffen und neue Bekanntschaften zu schliessen.» Als ehemaliges Konzernleitungsmitglied von Sulzer ist Künzle auch noch im HR Swiss Executive Forum dabei. (siehe Seite 29). Diese Mitgliedschaft wird sie allerdings aufgeben müssen, da ihr Berufswechsel zur Unternehmerin und zum Executive Coach nicht mehr den Aufnahmekriterien des Forums entspricht. Für Christina Künzle ist es klar, dass die Mitgliedschaft bei Netzwerken nichts nützt, wenn nicht darauf aufgebaut wird: «Die Netzwerke sind lediglich Kontakt-Plattformen, was daraus entsteht, beruht dann auf gegenseitiger Sympathie und der Initiative jedes Einzelnen.»

 
 
 

Archiv-/Themen-Suche