HR Today | 1,2/2005 | Text: Cordelia Kissling
Viele sind Einzelunternehmerinnen, aber nicht unbedingt Einzelkämpferinnen: Gut ausgebildete Frauen in beruflich verantwortungsvollen Positionen vernetzen sich untereinander, um ihre Karriere voranzutreiben, aber auch, um sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen und politisch etwas zu bewirken.
Weibliche Solidarität ist ein Mythos. Das zumindest glauben 80 Prozent der Teilnehmenden einer Umfrage zum Thema Frauen und Karriere, die letztes Jahr vom Schweizer Karriereportal des Online-Stellenmarktes jobpilot durchgeführt wurde (die Umfrageergebnisse wurden in HR Today 10/2004 publiziert). Von den 4390 in Europa befragten Personen sehen nur 5 Prozent unter Frauen Netzwerke entstehen, in denen sie sich besonders unterstützen.
Die Recherchen von HR Today für diese Ausgabe haben ergeben, dass in der Schweiz einige offizielle Netzwerke existieren, in denen sich das weibliche Geschlecht um die eigenen beruflichen Belange kümmert und sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen. Eine Auswahl an Internetlinks zu den ganz unterschiedlich strukturierten Organisationen findet sich auf Seite 35.
Der Verein Wirtschaftsfrauen Schweiz ist eines der Foren, das – zurzeit noch vorwiegend in der Deutschschweiz – Frauen wirtschaftlich vernetzen und fördern will. Gerade weil weibliche Kaderleute in den Topetagen immer noch rar sind, sollen karriereorientierte Frauen einen Ort haben, wo sie ihresgleichen treffen und sich austauschen können. Mitglieder sind somit primär Frauen in Leitungspositionen oder selbständige Unternehmerinnen. Entsprechend sind auch die Aufnahmebedingungen: Der Vorstand begutachtet jeden Antrag auf Mitgliedschaft. Geprüft wird, ob die Anwärterin bereits eine höhere Funktion innehat oder ob mittelfristig ein wichtiger Karriereschritt ansteht. Dabei kann es sich durchaus auch um eine Fachkarriere handeln, die nicht zwingend mit Führungsverantwortung verbunden sein muss.
«Wir wollen als ernsthafter Wirtschaftsverband wahrgenommen werden», erklärt Vorstandsmitglied Angelika Bräm, Geschäftsführerin von Evalution, einem Dienstleistungsunternehmen, das auf die Personalberatung und Stellenvermittlung von Fach- und Führungskräften spezialisiert ist. Ein professioneller Auftritt sei daher sehr wichtig. Der Verband, der aus den Wirtschaftsfrauen beider Basel hervorging, existiert seit 1999 und zählt heute 420 Mitglieder. Für die Wirtschaftsfrauen Schweiz ist es wichtig, ihre Themen auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sich in Wirtschaft und Politik zu engagieren. «In der Schweiz ist es nach wie vor schwierig, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen», meint Angelika Bräm. «Das fängt beim Schulsystem an und hört mit den raren Teilzeitstellen auf. Was wir tun können, ist das Thema immer wieder auf den Tisch zu bringen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Immerhin gibt es jetzt wieder einen Vorstoss, das Schulsystem in gewissen Kantonen zu vereinheitlichen. Da sind wir also auf einem guten Weg, wozu wir auch einen Beitrag geleistet haben.»
An die Öffentlichkeit tritt das Frauennetzwerk beispielsweise mit dem jährlich durchgeführten Businesskongress, an dem wirtschaftlich relevante Themen behandelt werden. So trägt der nächste Kongress vom 22. und 23. Februar 2005 den Titel «Managing the Future». Der Verein bietet seinen Mitgliedern auch Plattformen, wo sie unter sich sind: Jeden Monat werden regionale Lunchs organisiert, an denen sich die Frauen zum ungezwungenen Austausch treffen können. Beatrice Gut beispielsweise, Inhaberin von wederundgut gmbh, nimmt regelmässig an den Zürcher Treffen teil. Sie habe dort gute Businesskontakte knüpfen können, die schon zu konkreten Aufträgen geführt haben, erklärt die Spezialistin für Bekleidungskonzepte beziehungsweise Corporate Wear. Auch Rechtsanwältin Petra Ducksch schätzt die unkomplizierten Mittagessen, wo sie «interessante Leute, Unternehmerinnen und Selbständige», antreffe.
Auf die Frage, ob es denn klug sei, dass Frauen «nur» unter sich Networking betreiben, meint Angelika Bräm: «Dass Frauen unter sich sind, ist insofern gut, als sie die gleichen Interessen haben. Eine Frau, die Karriere machen will, muss sich aber noch in anderen Netzwerken engagieren. Wir wollen uns auch mit Männern vernetzen, denn dort werden momentan noch die grossen Geschäfte gemacht.» Sie selbst ist zusätzlich Mitglied des Efficiency Club, des Clubs für Wirtschaftspraxis. Die Präsidentin von Wirtschaftsfrauen Schweiz, Astrid van der Haegen, ist ausserdem Rotarierin.
Gute Netzwerkerinnen wissen, dass Networking auf Geben und Nehmen basiert. Angelika Bräm, die seit 1999 bei den Wirtschaftsfrauen Schweiz dabei ist, hat sich von Anfang an im Verein sehr engagiert und wurde schon bald für die Mitgliedschaft im Vorstand angefragt. «Gutes tun, darüber sprechen und etwas davon haben» heisst ihre Devise. So kämen ihr die bei Wirtschaftsfrauen Schweiz geknüpften Kontakte auch fürs eigene Business zugute.