HR Today | 1,2/2005 | Text: Marianne Rupp

Nur für geladene Gäste: Die speziellen Treffen der HR-Leute


Von gewissen Clubs wie etwa Rotary ist bekannt, dass sie nach dem Prinzip «by invitation only» funktionieren. Dass es auch in HR-Kreisen geschlossene Gesellschaften gibt, ist weniger vertraut. In ihnen soll ein – selbstverständlich – vertraulicher Austausch unter Spezialisten gepflegt werden.

Der Dachverband HR Swiss (Schweizerische Gesellschaft für Human Resources Management) bildet zusammen mit zwölf regionalen Gesellschaften für Personal-Management ein wichtiges Netzwerk für HR-Verantwortliche. Mit praxisorientierten Veranstaltungen bieten die Gesellschaften ihren Mitgliedern Plattformen für Wissens-, Erfahrungs- und Meinungsaustausch an. Die meisten Seminare und Tagungen stehen allen Mitgliedern offen. Einige der regionalen Gesellschaften organisieren zudem Treffen, zu denen nur bestimmte Mitglieder Zugang haben. So kennt zum Beispiel die Basler Gesellschaft für Personal-Management (BGP) die Workshops «Compensation», «Personalentwicklung» und «Berufsbildung». In Gruppen von 10 bis 25 Leuten diskutieren die Mitglieder themenspezifische Fragestellungen. Mitglied kann nur werden, wer die entsprechende Funktion ausübt: Für den Workshop «Compensation» bedeutet dies beispielsweise, dass der Teilnehmer eine Funktion in den Gebieten Entlöhnung, Leistungsbeurteilung innehat. «In den Workshops berichten die Mitglieder über ihre eigene Arbeit. Es soll ein Geben und Nehmen sein, ein Erfahrungsaustausch unter kompetenten Spezialisten, der selbstverständlich vertraulich ist», erklärt Monique Steiner, Vorstandsmitglied bei der BGP. Wer nur konsumieren will oder nicht von der Branche ist, hat daher keinen Zutritt. Potenzielle Mitglieder müssen einen Antrag stellen. Die Gruppe entscheidet dann über die Aufnahme. Die Treffen finden je nach Gruppe zwei- bis fünfmal jährlich statt.

Die Zürcher Gesellschaft für Personal-Management (ZGP) lädt zweimal pro Jahr zum so genannten ZGP Circle ein: In diesen HR-Leiter-Meetings werden Themen wie etwa Fragen zum Entlöhnungssystem diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Die Treffen finden in kleinem Kreis statt und sind vertraulich. Dem Circle gehören rund vierzig Personalleiterinnen und Personalleiter von mittelgrossen und grossen Firmen an, die aus dem Wirtschaftsraum Zürich, Basel und Bern kommen. Interessierte können sich zwecks Aufnahme zwar melden, doch auch hier gilt: «by invitation only».
Auch die Konzernpersonalchefs haben seit März 2003 ihr eigenes Netzwerk: das HR Executive Forum. Das Forum, entstanden auf die Initiative von HR Swiss, VSKP (Verein Schweizerische Kurse für Personal-Management) und CRQP (Cours Romands pour les Questions de Personnel), bietet seinen Mitgliedern dreimal im Jahr eine Plattform für den vertraulichen Austausch von Erfahrungen. Mitglieder sind 70 bis 80 «HR Executives» aus allen Branchen der wichtigsten und grössten Schweizer Firmen und acht bis zehn Universitätsprofessoren. Es wird von sechs Mitgliedern geführt, die über die Aufnahme neuer Teilnehmer entscheiden. «Wir haben klare Aufnahmebedingungen und Regeln, die den Stellenwechsel betreffen», erklärt Benno Gartenmann, Präsident der HR Swiss. «Leute, die den Kriterien nicht mehr entsprechen, weil sie beispielsweise in die Beratung wechseln, dürfen nach einer gewissen Zeit nicht mehr beim Forum dabei sein.» Denn das HR Executive Forum will Gleichgesinnten ein Netzwerk bieten, bei dem gilt: absolut vertraulich und nur auf Einladung.

HR Today wollte von fünf HR-Verantwortlichen wissen, was sie über das Netzwerken denken und woher sie ihre Informationen beziehen.

«Ein Netzwerk bedingt ein hohes Mass an Vertrauen.» Stephan Wittmann, Leiter Human Resources des internationalen Industrie-konzerns Georg Fischer AG in Schaffhausen, ist überzeugt, dass das Vertrauen nur durch den persönlichen Kontakt und durch mehrmalige Treffen aufgebaut werden kann. «Ich treffe mich regelmässig mit einer kleinen Gruppe von HR-Leuten. Wir haben grosses Vertrauen zueinander, und daher ist es auch möglich, offen über heikle Themen wie etwa Löhne zu reden.» Damit ein solches Netzwerk funktioniert, braucht es neben dem Vertrauen auch einen fairen Austausch: «Wer etwas preisgibt, erwartet eine Gegenleistung.» Die Mitglieder dieser Gruppe hat Wittmann bei formellen Treffen kennen gelernt, etwa bei den Veranstaltungen oder Workshops der ZGP. Das ZGP-Netzwerk findet der HR-Leiter sehr interessant, weil es ihm Einblicke in die unterschiedlichen Branchen ermöglicht. Branchenabhängige Informationen holt sich Wittmann bei dem Verband Swissmem (Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie): «Es gibt eine Untergruppe für Personalchefs. Wir treffen uns zweimal pro Jahr und diskutieren operative Themen.» Netzwerke pflegt Stephan Wittmann auch innerhalb der Firma: «Alle HR-Verantwortlichen treffen sich regelmässig, um Know-how auszutauschen. Es ist wichtig, die Erfahrungen an Leute in der gleichen Funktion weiterzugeben, denn am meisten lernt man von den Kollegen. Zudem muss das Rad nicht neu erfunden werden.»

Beim Stichwort Netzwerk kommt Beatrix Thoma, Personalleiterin bei Rinco Ultrasonics AG, die Kontaktaufnahme mit Kollegen aus der gleichen Berufssparte in den Sinn. «Für mich
ist es ein zentraler Punkt, dass ich mich mit anderen HR-Verantwortlichen austauschen und Probleme zur Sprache bringen kann», sagt Thoma. Die Personalleiterin pflegt regen Kontakt mit Kollegen, die mit ihr zusammen die Weiterbildung zur Personalfachfrau absolviert haben. «Das sind alles HR-Verantwortliche, die aus unterschiedlichen Branchen kommen. Diese Branchenvielfalt finde ich sehr nützlich, denn sie zeigt mir, wie beispielsweise die Sozialversicherungsbranche mit Fragestellungen umgeht und welche Lösungswege dort gesucht werden.» Ab und zu trifft Thoma ihre Kollegen persönlich, doch genauso wichtig ist der Telefon- und E-Mail-Kontakt.
Bei der Erwähnung von Frauennetzwerken erklärt Beatrix Thoma, dass sie bei keinem dabei ist, dass es «im Prinzip noch eine gute Idee» sei, die sie weiterverfolgen werde.

«Das Netzwerken ist eine wichtige Basis für jede Zusammenarbeit», sagt Stephan Häner, bis Ende 2004 Leiter Personalamt des Kantons Zürich. Innerhalb der Firma traf er sich monatlich mit den Personalbeauftragten der verschiedenen Direktionen. Zudem pflegte er Kontakte mit Führungsverantwortlichen derselben Hierarchiestufe: «Sie hatten dieselben Fragen und Probleme wie ich, und daher konnten wir gemeinsam nach möglichen Lösungen suchen.» Ein Beziehungsnetz zu haben sei wichtig, betont der ehemalige Personalchef, um den Puls zu spüren, um neue Ideen zu bekommen und die Realisierbarkeit eines Projekts abzutasten.
Ausserhalb des Personalamtes ist Häner bei der ZGP und beim Verband Basler Ökonomen vernetzt. Dort nimmt er wenn möglich an Tagungen und Konferenzen teil. Zudem treffen sich zweimal pro Jahr die Leiterinnen und Leiter der Personalämter der Kantone. «Diese Treffen habe ich sehr geschätzt. Dort habe ich die Entwicklungen im kantonalen Umfeld erfahren, etwa welcher Kanton wie mit der Lohnfrage umgeht. Es wurden Fragestellungen und mögliche Lösungswege diskutiert. Zudem konnte ich aktuelle Herausforderungen besprechen, beispielsweise wie andere Kantone mit dem Kostendruck umgehen. Der Austausch und die Empfehlungen sind sehr wichtig.»
Ein weiteres Netzwerk bilden für Häner die Kollegen, die er vom Studium, von ehemaligen Arbeitsstellen oder vom MBA her kennt. Für Stephan Häner ist es wichtig, aktiv am Netzwerk zu arbeiten und sich auch die Zeit dafür zu nehmen: «Netzwerken ist das A und O in jedem Beruf. Ich empfehle jedem und jeder, sich gut um ein Netzwerk zu kümmern.»

«Ich versuche, möglichst alle HR-Anlässe wie etwa die Personal Swiss zu besuchen, denn das sind die besten Treffpunkte», sagt Christiane Walt, Leiterin Personal Gruppe bei Atel Instal-lationstechnik. Wenn sie hingegen Probleme hat oder eine aktuelle Frage besprechen möchte, aktiviert sie ihr persönliches Netzwerk: «Das sind etwa zehn Leute, mit denen ich auch vertrauliche Themen besprechen kann.» Sie trifft die Leute entweder persönlich oder nimmt via Mail oder Telefon Kontakt mit ihnen auf. Dieses Netzwerk hat sich Walt während ihrer beruflichen Karriere aufgebaut: Es sind ehemalige Arbeitskollegen und Personen, die sie in Weiterbildungen oder in Kursen kennen gelernt hat. Bei ihrem beruflichen Netzwerk sind keine ehemaligen Studienkollegen dabei, weil sie ihr Studium in der Westschweiz absolviert, die HR-Laufbahn jedoch erst in der Deutschschweiz begonnen habe.
«Das Netzwerk sollte so gross wie möglich sein, da jeder andere Stärken hat. Wichtig ist, dass verschiedene Branchen vertreten sind und möglichst internationale Kontakte bestehen», sagt die Personalleiterin. Früher war Walt Mitglied bei den Business Professional Women (BPW). Aus Zeitgründen hat sie dieses Engagement aufgegeben. «Momentan überlege ich mir, wieder beizutreten, denn ich finde dieses Netzwerk eine sehr gute Sache.» Ganz aufgegeben habe sie die Mittagslunchs der ZGP: «Es war mir zu anstrengend, für eine Stunde in die Stadt zu fahren. Zudem konnten die Gespräche in dieser kurzen Zeit nicht in die Tiefe gehen», erklärt Walt. Hingegen besucht sie regelmässig die arbeitsrechtlichen Kolloquien der ZGP. «Für mich ist der Austausch im beruflichen Umfeld sehr wichtig», sagt Christiane Walt. «Das Netzwerk muss langfristig funktionieren, und es darf nicht oberflächlich sein.»

«Natürlich gibt es die institutionalisierten Abläufe wie GL-Sitzungen und andere Meetings, an denen ich Informationen erhalte», erklärt Michel Bösiger, Bereichsleiter HR bei der MDC Max Daetwyler AG. «Die meisten Informationen beschaffe ich mir jedoch selber, indem ich direkt auf die Leute zugehe, von denen ich denke, dass sie mir helfen können.» Dies können Personen innerhalb des Unternehmens sein, aber auch ausserhalb. «Ich pflege die Kontakte zu den Personen, die ich bei der Ausbildung kennen gelernt habe. Das sind alles HR-Leute, mit denen ich mich fachspezifisch austauschen kann.» Auch ehemalige Studienkollegen zählt Bösiger zu seinem Netzwerk. Allerdings seien diese weniger für berufliche Fragen geeignet, «da ich der Einzige bin, der den HR-Weg eingeschlagen hat».
Michel Bösiger ist Mitglied der Berner Gesellschaft für Personal-Management (BGP), und wenn er Zeit hat, besucht er ihre Tagungen und Anlässe. «Ich bin auch in einer Erfa-Gruppe der BGP dabei. Doch leider kann dort nicht wirklich offen über HR-Themen gesprochen werden, denn es sind immer auch Personalvermittler dabei. Manche wagen daher nicht, über heikle Themen oder Probleme innerhalb der Firma zu sprechen. Ich würde mir wünschen, dass es eine Gruppe gibt, zu der nur HR-Verantwortliche zugelassen sind, damit man unter Gleichgesinnten diskutieren kann.»
Beim Netzwerk kommt es weniger auf die Anzahl der Fäden an als vielmehr auf deren Qualität: Eine Person mit sehr breiten Erfahrungen kann als Kontakt schon genügen. «Wer genügend Zeit hat, kann durchaus ein Netzwerkjunkie werden und an jedem Abend an mehreren Treffen teilnehmen. An Angeboten herrscht kein Mangel», sagt Bösiger. «Doch wer ehrlich ist, muss eingestehen, dass er keine Tipps und Kontakte ohne Gegenleistung weitergibt, und daher ist die Qualität, zu der auch Vertrauen gehört, viel wichtiger als die Quantität der Netzwerke. Wichtig ist auch, nicht alle Zeit für ein perfektes Netzwerk zu investieren und dabei den Bekanntenkreis zu vergessen. Auch dieser bietet, neben den persönlichen Beziehungen, ein potentes Netzwerk.»

 
 
 

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